Das Ur-Motiv Sicherheit: Wie Bedrohungen motivieren
  Die Kraft der Vermeidungsmotivation gezielt für Veränderungen und gemeinsame Erfolge nutzen


Die Kraft der Vermeidungsmotivation

Der Mensch will überleben. Deshalb sucht er Schutz, Geborgenheit, Sicherheit. Andererseits ist er auch für Neues offen und bereit, sich und die Welt zu entdecken und zu entwickeln.

Im Schonraum mancher Organisation und verwöhnt durch die Vollkasko-Mechanismen unserer Gesellschaft haben viele Menschen dann verlernt, nach Entwicklung und Wachstum zu streben. Es ist oft schlicht nicht nötig. Die Versorgung ist auch so gesichert. Wer sich im Verwöhn-Modus befindet oder seinen Status halten will, lässt sich auch nicht bewegen, wenn ihm tolle Perspektiven und weitere Beglückungen in Aussicht gestellt werden. 

Erst wenn der sicherheitsorientierte Mensch seine „Errungenschaften" oder komfortablen Lebensumstände und Gewohnheiten gefährdet sieht, steigt seine innere Erregung und damit seine Bereitschaft zur Bewegung. Denn Schmerz und Verlust will er vermeiden. 

Dieses Vermeidungsmotiv muss dann gezielt angesprochen werden, indem man dem Mitarbeiter vermittelt, dass er es selbst mit in der Hand hat, seinen Komfort, seine Versorgung etc. zu sichern. Doch dazu muss er auch über seinen Schatten springen und sich ungewohnte Anstrengungen abverlangen. Sein Wunsch nach Sicherheit und Bequemlichkeit wird nicht in Frage gestellt, wohl aber die Tauglichkeit seiner Mittel (z.B. Dienst nach Vorschrift, „Feelgood Management"). Damit es zukünftig also genauso sicher/angenehm/… bleibt wie bisher, muss sich der Mitarbeiter öffnen, entwickeln, verändern. Das Wollen liegt bei ihm. Beim Können braucht er Unterstützung.

Miteinander reden – über Risiken, Bedrohungen und Chancen

Personalverantwortliche und Führungskräfte stehen angesichts der demografischen Entwicklung, des Fachkräftemangels und der Erwartungen der Beschäftigten und Berufseinsteiger vor großen, teils paradoxen Herausforderungen. Gefragt sind sichere Arbeitsplätze, ein gutes Einkommen und die Vereinbarung von Familie und Beruf. Diese Erwartungen sind legitim doch nicht bedingungslos zu erfüllen.

Hier sollten die Verantwortlichen im Unternehmen nicht unreflektiert den Erwartungen folgen, die im Wohlfühlkosmos gewachsen sind. Denn was heute noch Bestand hat, kann morgen brüchig werden. Gerade junge Menschen, denen „die Zukunft gehört" sind ja offensichtlich für die Zukunftsgefahren höchst sensibilisiert. 

Doch nicht nur der Planet ist bedroht, sondern vielleicht auch die eigene berufliche Zukunft, wenn sich Verwöhnhaltungen und Nehmerqualitäten im Unternehmen entwickeln und etablieren. Das geschieht ja nicht mit böser Absicht. Doch sollten Führungskräfte dafür sorgen, dass kein böses Erwachen droht. Und das heißt dann: Über Risiken und Bedrohungen reden, die mit gemeinsamen Anstrengungen reduziert oder bewältigt werden können. 

Das ist elementar, weil sicherheitsbedürftige Menschen nicht bewegt werden können, wenn man ihnen eine rosarote Zukunft malt – schon gar nicht, wenn die Gegenwart schon golden ist. Erst wenn ihr „Schatz", ihr Besitzstand, ihre Gewohnheiten bedroht sind, werden diese Menschen aktiv. Sie mobilisieren ihre Kräfte, wenn es gilt, Verluste und Schmerzen zu vermeiden.

Gemeinsam anpacken – eine Leistungsgemeinschaft entwickeln

Damit Menschen in schwierigen Situationen die Kraft für das Notwendige haben, brauchen sie Unterstützung und Ermutigung. Sie müssen sich bei allen Bedrohungen aufgehoben fühlen. Sie müssen sich als Mitglied einer (Schicksals)Gemeinschaft erleben, die sich anschickt, das Schicksal in die eigene Hand zu nehmen. Solidarität, Leistungsbereitschaft und Selbstverantwortung gehen dabei zusammen. Gegenseitige Unterstützung aber auch gegenseitiger Ansporn wirken ermutigend. Während der eine der Herausforderung entgegenstürmt, möchte der oder die andere der Gemeinschaft helfen. So leistet jede/r seinen Beitrag für die Bewältigung von Problemen und die Gestaltung der Zukunft.

Eine wichtige Rolle spielen dabei Führungskräfte. Sie müssen frühzeitig auf „Gewitterwolken am Horizont" und „aufziehende Stürme" aufmerksam machen. Sehr klar müssen sie dann ihre Mitarbeiter informieren – manchmal auch aufwecken. Denn manches dringt nicht sogleich in den „Maschinenraum" der täglichen Routinen.

Dabei geht es nicht zuletzt darum, eine Beitrags- und Teamkultur zu entwickeln.  Im Team sollten sich die Fähigkeiten der Mitglieder ergänzen und sich alle für eine gemeinsame Sache, gemeinsame Leistungsziele und einen gemeinsamen Arbeitseinsatz engagieren. Auch ziehen sie sich gegenseitig zur Verantwortung. 

Damit gehören Leistung und Gemeinschaft zusammen. Eine Leistungsgemeinschaft braucht eine Beitragskultur.  Dafür sind alle Mitarbeitenden verantwortlich. Und alle profitieren davon!

Fazit und praktische Folgerungen

Die meisten Menschen möchten eher Verluste vermeiden statt mit Risiko verbundene Gewinne erzielen. Doch bringen Veränderungen Bedrohungen für Besitzstände mit sich. In der volatilen, ungewissen Welt steigt damit die Verlust-Gefahr. Dann geraten Menschen in Alarmbereitschaft: sie sind motiviert, Gefahren abzuwenden. Diese Vermeidungsmotivation sollte gezielt genutzt werden. 

Dazu müssen Führungskräfte Bedrohungen realistisch darstellen oder besser noch: gemeinsam im Team herausarbeiten. So entwickelt sich eine Überzeugung und ein Gefühl: wir müssen etwas dagegen tun – wir müssen unsere Zukunft sichern.

Dann sollte die gemeinsame Aufgabe betont und konkreter beschrieben werden.  Denn durch die Betonung der Gemeinschaft kommen sicherheitsorientierte „Misserfolgsvermeider" eher ins Tun, weil die Gemeinschaft auch Sicherheit gibt.
Schließlich gilt es, den notwendigen Beitrag des Einzelnen zu definieren. Das kann auch das Team unter sich ausmachen. Persönlich adressierte Erwartungen sind oft Ansporn zum Handeln : Ich wünsche mir von Dir – am besten verbunden mit der Überzeugung: Du schaffst das.

Wichtig ist, dass jeder seinen/ihren Beitrag leistet. Dadurch wächst die Selbstwirksamkeit – das Zutrauen in die eigene Fähigkeit, Schwierigkeiten zu meisten. Und das braucht es jetzt und morgen nicht zu knapp.


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