Störer, Regelbrecher - Potenzialträger?
  Was Führungskräfte bei der Potenzialeinschätzung bedenken sollten

Potenzialeinschätzung ist eine Zumutung

Für Unternehmen ist es wichtig, die zukünftigen Leistungsträger heute zu identifizieren. In welchen Mitarbeitern schlummern also Potenziale für weiterführende Führungs- aber auch Expertenaufgaben? Oft werden dazu die Führungskräfte befragt. Diese sollen dann sogenannte Potenzialträger benennen.

Das kann für manche Führungskraft eine Herausforderung oder auch Zumutung sein. Denn Potenziale für zukünftige Aufgaben zeigen sich eben nicht (nur) darin, dass jemand aktuelle Anforderungen bestens erfüllt. Es ist sogar möglich, dass eine Person mit Potenzial für „höhere" oder andere Aufgaben, ihre jetzigen Aufgaben nicht bestmöglich erfüllt. Vielleicht hält sie sich auch nicht an Vorgaben oder Regeln, überschreitet ihre Kompetenzen, interpretiert Prioritäten anders etc. Sie sprengt ihr Kästchen im Organigramm und verlässt den definierten Handlungskorridor. Dazu kommt, dass eine solche Person auch nicht unbedingt still ist. Vielleicht kritisiert sie Arbeitsweisen und Vorgaben, äußert Bedenken und „stachelt andere auf". 

Potenzialeinschätzung erfordert Ambiguitätstoleranz

Sehr schnell ist eine Führungskraft dann dabei, ihre Deutungshoheit bei diesem abweichenden Verhalten zu reklamieren, um dieses in den Erwartungskorridor der Positionspflichten zurückzuführen. Dafür hat sie sich möglicherweise als Führungskraft auch weiterqualifiziert. Jetzt sind ihre Fähigkeiten in den Bereichen zielorientiertes Führen und Kritikgespräch gefordert. Das ist nicht falsch. Doch sollte die Führungskraft kurz innehalten – auch wenn ihr dies in einem Zustand der Empörung und „emotionalen Angefasstheit" eher schwerfallen mag.

Denn nun ist auch ihre Ambiguitätstoleranz als Führungskraft und Potenzialdiagnostiker/in gefragt. So sollte sie beiden Rollen gerecht werden – wenn es gilt, Potenzialträger im eigenen Verantwortungsbereich zu identifizieren. So können die genannten abweichenden Verhaltensweisen auch potenzialorientiert gedeutet werden. Mögliche Deutungen sind: handelt eigenverantwortlich,  geht Risiken ein, trifft Entscheidungen, nimmt Einfluss auf andere und versucht diese zu gewinnen, stößt Veränderungen an, blickt nach vorne …

Potenzialeinschätzung durch selbstreflektierte Führungskräfte

Um die Beobachtungen treffend bewerten zu können, bietet sich natürlich ein klärendes Gespräch an. Hier sollte es zunächst darum gehen, die Motivation und Absicht, die hinter dem Verhalten steht, freizulegen. Denn gerade auch das persönliche Wollen und die Antworten auf die Fragen „Warum?" und „Wozu?" spielen bei der Potenzialeinschätzung eine Rolle. Gleichfalls ist es wichtig, dass sich die Führungskraft ihre eigene Haltung und Überzeugung bewusst macht – nicht dass Stolz und Störanfälligkeit ihre Bereitschaft und Fähigkeit zur Potenzialerkennung mindern.

Es braucht also selbstreflektierte und souveräne Führungskräfte, um Mitarbeiterpotenziale auch dort zu erkennen, wo es persönlich weh tun kann.



MMPD
Multi-Moment-Potenzial-Diagnostik
Zum Download

Potenzialdiagnostik in der Praxis
15.4.. und 25.11.19
Zum Download

assess24
Multitool für Online Assessments - einfach alles selber machen!
Weitere Informationen

Potenzial Assessment
für Nachwuchs-Führungskräfte - - eintägig - 3.6. und 18.11.19
Zum Download

Als Favoriten hinzufügen Diese Seite drucken E-Mail senden  
  0621 - 52 90 400
© Copyright 2019 proceed - Uwe Scholze